Tag 19 – Skat’n'Doublehead

Der Tag begann wie immer früh. Um 6:30 klingelte der Wecker. Da Tim und ich unten geschlafen hatten, wo morgens die Sonne durch die plastik-verkleideten Fenster scheint, war ich sofort hellwach. Da ich noch immer nicht 100% auf dem Damm war, durfte ich mit vorne sitzen…

So begann also unsere Fahrt, die, effektiv wie wir es nun einmal sind, nur durch einen Stopp beim Toilettenhaus unterbrochen wurde, von wo aus alle frisch und mit geputzten Zähnen die weitere Reise antreten konnten.

Unser heutiges Ziel: Capitol Reef National Park.

Nach einem Tankstopp in der wohl kuriosisten Tankstelle Amerikas (ein komplett in den Fels eingelassener Laden inklusive Toiletten mit Steinwänden), kamen wir im Capitol Reef an, wo wir uns, wie immer, erstmal zum Visitors Center begaben. Auf Anraten des Rangers hin, machten wir gleich einen Abstecher in eines der berühmten Obst-Felder von Fruita (der kleinen Stadt des frühen 19. Jahrhunderts), wo wir, aufmerksam beobachtet von einem jungen Hirsch, eine große Tüte der kleinen, grünen, zuckersüßen Äpfel pflückten. Von dort ging es weiter zum Gifford House, einem mini-Museum mit angeschlossenem Dorfladen, wo wir uns, um Eure Vorfreude noch etwas zu schüren, mit niedlichen Mitbringseln eindeckten. Bei den Pferden vor dem Haus frühstückten wir dann noch hausgemachte Pies, welche nur von einer lustigen Amerikanerin übertroffen wurden, die uns mit Tipps und Ratschlägen für unsere weitere Reise überhäufte. Am idyllischen Campground angelangt suchten wir uns einen Stellplatz direkt am eisigen Bergflüsschen.

„Überschattet“ wurde der durchskatete (ja, Fanny und Lara lernen es endlich auch!) Vormittag nur von einigen ärztlichen Behandlungen: Tims Blasen mussten versorgt, Fannys aufgerissener Zeh geklebt werden; ja, so ist das Hikerleben…

Und wenn der Skat schon an der Türe klopft, dann sind auch Karlchen, Fuchs und Kreuz Damen nicht weit: Doppelkopf erobert nun unser Camperdasein.

Sobald Fanny und Lärchen nämlich die Grundlagen des Skat verstanden hatten, wurden sie in die Geheimnisse des Doppelkopf eingeweiht. So verging also auch der Nachmittag – gespickt nur durch einige Tunfischbrote und eine Scheibe des 2,5 kg Cheddar, den Moritz auf meinen Wunsch hin gekauft hat.

Gen späten Nachmittag hin machten wir noch eine Tour über die Old Wagon Scenic View Road um uns auch hier faszinierende Gesteine anzusehen, auch wenn man zugeben muss, dass, abgesehen von gewissen Diskussionen über grüne/graue/türkise Felsen, die zu erwartenden Reaktionen etwas auf sich warten ließen. Es ist wie mit dem modernen Informationsüberfluss – wenn man etwas unglaubliches so häufig zu sehen bekommt, dass es beginnt alltäglich zu erscheinen, dann ist man auch beim schönsten Ausblick nicht gänzlich vom Hocker gerissen.

Auf dem Rückweg durfte sogar ich einmal meine Fahrkünste unter Beweis stellen – ich muss sagen, es ist leichter als ich erwartet hatte…

Aber keine Sorge, Mamachen, ich werde das Steuer weiterhin den Jungs überlassen!

Am Wasser sitzend, lesend (und duschend, da wir aus Mangel an öffentlichen Etablissements den lieben Lonas beglücken durften!!!) verging der frühe Abend bis zur Reispfanne… würde man denken…

aber natürlich kam mal wieder alles ganz anders: ja, wir saßen am Wasser und lasen, nur dann kam Tim auf die grandiose Idee schwimmen zu gehen; wenn man das wirklich schwimmen nennen kann – denn was als Wassergespritze zwischen Tim und Mo begann, endete in einer Schlammschlacht sonder Gleichen, in welche auch Lara und ich verwickelt wurden. Fanny schoss unaufhörlich Fotots und rettete Bücher, Postkarten und Computer…

Dann durften wir wirklich duschen – zum ersten mal seit fast fünf Tagen!!!

Abends gab es die angekündigte Reispfanne – allerdings in dreifacher Ausführung. Ja, bei größerer Gruppe gehen die Geschmäcker eben auseinander und so war wenigstens für jeden was dabei – hoffe ich…

- Mieke


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